Supervisionsgruppe in München sucht noch Teilnehmer

Fünf Interessierte haben sich bereits zusammengefunden, um gemeinsam eine Supervisionsgruppe anzufangen.
Wir treffen uns das nächste Mal am 03. Dezember 2013, um 19:30 Uhr, bei mir in der Blutenburgstraße 61 EG.

Wenn Sie einen vertraulichen Ort suchen, in dem Sie über Ihre Arbeit und was Sie sonst beschäftigt, sprechen möchten, dann sollten Sie sich das überlegen. Sie haben dazu Fragen, oder wissen nicht genau, ob das für Sie das passende Beratungsformat sein könnte? Dann schreiben Sie mir einfach oder rufen Sie mich an.

Was ist Supervision? Versuch einer Definition II

Für meinen Beruf gefällt mir das Bild eines Bergführers, der seine Kunden auf einer Bergtour begleitet. Wer auf einen Berg steigt, gewinnt schließlich mehr Übersicht und trainiert seine Kräfte. Der Bergführer legt mit seinen Kunden zusammen den Weg, die Führe fest, die sie sich zutrauen. Er ist eine Mischung zwischen einem Experten für diese Landschaft und einem Freund auf Zeit. Er soll seinen Kunden Erfahrungen ermöglichen, die mit einem gewissen Risiko verbunden sind. Schließlich holt man sich nur einen Bergführer, wenn man eine Tour plant, vor der man allein zurückschrecken würde. Der Bergführer muss deshalb die Gefühlslage, vor allem die Angst, seiner Kunden im Auge haben und auch den Weg und seine Gefahren, resp. Schönheiten erkennen. Die Kunden vertrauen ihm, weil er die Sicherungsmittel professionell zu bedienen weiß und sich offenbar mit einschlägigen Gefahren auskennt. Der Kern ist: Er schafft die sicheren Rahmenbedingungen für eine neue, erwünschte, aber als riskant eingeschätzte Erfahrung.

Das leistet Coaching für das Employer Branding

Ein Auszug aus einem Vortrag, den ich mit Franz Lutje, Die Piloten, beim Forum K der kaltner mediagroup hielt. Zufriedene und motivierte Mitarbeiter sind das Ziel des Eployer Branding. Supervision kann dazu einiges beitragen:

I
Zufriedene Mitarbeiter im Unternehmen leisten mehr, als nur Ihre Arbeit zu erledigen. Während sie arbeiten, gleichen sie Tag für Tag dreierlei Ansprüche aus:
Erstens die Aufgaben, die die Organisation ihnen stellt. Zum Beispiel in einem bestimmten Team zu arbeiten oder eine strukturelle Veränderung mitzutragen.
Zweitens die Aufgaben, die mit Ihrer Rolle im Unternehmen verbunden sind, als Führungskraft beispielsweise.
Und drittens die Bedürfnisse, die sie selbst mit Ihrer Arbeit befriedigen. Also Karriereziele oder ihre gewünschte Work-Life-Balance.
Wer in seiner Arbeit zufrieden ist, schafft es immer wieder, erfolgreich sich selbst, seine Rolle und die Ziele des Unternehmens unter einen Hut zu bekommen. So verstanden ist Arbeitszufriedenheit ein Prozess. Sie müssen sie immer wieder neu erreichen, weil sich die Voraussetzungen dafür im Laufe der Zeit ändern.

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Wir sehen uns diese Voraussetzungen einmal an. Betrachten wir die Arbeit dreidimensional, zeigt sich schnell, wie vielschichtig die Voraussetzungen der Arbeitszufriedenheit sind.
Sie betreffen zunächst die Zeit: Wie ist die Arbeit getaktet? Gibt es einen klaren Anfang und ein Ende der Arbeit? Oder heißt es „nach der Arbeit“ ist „vor der Arbeit“ und alle checken sicherheitshalber im Urlaub ihre Mails? Reicht die verfügbare Zeit auch für die Aufgaben? Stimmen die Prozesse?
Arbeitszufriedenheit hat aber auch mit der Sache zu tun: Versteht der Mitarbeiter seine Aufgaben? Weiß er, wofür er das tun soll, was ihm aufgetragen ist? Oder rennt er kopfschüttelnd von Meeting zu Meeting bis es Abend wird? Hat er den nötigen Sachverstand für seine Arbeit? Macht er das, was er am besten kann?
Last but not least wurzelt die Zufriedenheit am Arbeitsplatz im kulturellen Umgang miteinander. Die Schlüsselbegriffe lauten hier: Intaktes Konfliktmanagement. Ein eingespieltes Team. Mitbestimmung. Transparenz. Selbstverantwortung. Kurz: Eine insgesamt förderliche Unternehmens- und Leistungskultur.

II
Was können Sie tun, um die zu erreichen? Supervision unterstützt sie dabei in allen Dimensionen. Dafür gibt es je nach Anwendungsfall verschiedene Formate.

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Beispielsweise Beratungsgruppen für Mitarbeiter. Sie bieten ein Forum, um Konflikte zu lösen, Praxisfragen zu thematisieren, Prozesse zu analysieren und vieles mehr. In der Form der Teamsupervision sind Beratungsgruppen im Projektgeschäft üblich. Beratungsgruppen sind ein besonders wirkungsvolles Instrument für die Organisationsentwicklung. Stellen Sie sich vor, es ist Zeit für Change Management und keiner macht mit. Das vermeiden Sie, wenn Sie Ihre Mitarbeiter mit Supervision am Prozess beteiligen. Dient die Beratungsgruppe vor allem der Verbesserung der Arbeitsabläufe und des Know-hows im Unternehmen, kann man sie als eine Community of practice bezeichnen. Das waren ursprünglich informell gegründete Expertennetzwerke in Unternehmen.
Beratung in Unternehmen ist ein Prozess, der vom Management mitgetragen werden muss. Es wirkt auf Mitarbeiter besonders überzeugend, wenn die Leitung sich bei einer Veränderung selbst coachen lässt. Schon allein deshalb ist Führungskräfte-Coaching als flankierende Maßnahme eines größeren Beratungsprozesses anzuraten.
Dabei stellt sich die Frage: Wann haben wir eine förderliche Leistungskultur erreicht? Wann sind die Mitarbeiter zufrieden genug? Sie können die Ergebnisse des Supervisionsprozesses laufend überprüfen. Natürlich funktioniert Evaluierung nicht einfach über Kennzahlen. Wo Ihre Unternehmenskultur steht, finden Sie vielmehr über Fragebögen und Interviews heraus. Die Evaluation zeigt Ihnen recht genau, wo gewünschte Veränderungen und Entwicklungen bereits eingetreten sind und wo nicht. Entsprechend können die Supervisoren intervenieren und den Prozess weiterentwickeln.


III
In allen drei Dimensionen der Arbeitszufriedenheit hat Supervision positive Effekte. Einige wichtige möchte ich Ihnen vorstellen.

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Ohne Nachdenken ändert sich nichts. Mit Supervision gewinnen Mitarbeiter die Zeit für Reflexion, die im normalen Arbeitsalltag nicht zur Verfügung steht. Das kostet zunächst einmal Zeit. Aber hier steigert eine gewisse Entschleunigung letztlich die Effektivität.
Speziell in Berufsrollen, die direkten Kundenkontakt erfordern, bringt Beratung eine Entlastung und unterstützt das Auftreten. Wichtige Faktoren für einen erfolgreichen Vertrieb zum Beispiel.
Überarbeitete Mitarbeiter kosten viel Geld. Supervision kann vor Burn-out-Fällen schützen.

Die Zeit für Beratung ist auch sachlich gut investiert: Die Zusammenarbeit in Teams und zwischen den Hierarchien des Unternehmens kann verbessert werden. Die Motivation nimmt zu. Alle konzentrieren sich stärker auf Ihre Aufgaben. Und schließlich fühlen sich die Mitarbeiter ernst genommen mit ihren Anfragen an die Arbeitssituation.

Für alle Anforderungen im zwischenmenschlichen Bereich sind Supervisionsprozesse wie geschaffen. Hier finden Sie heraus, wie Ihre Arbeitsprozesse wirklich ablaufen. Konflikte, die das Arbeitsergebnis beeinträchtigen, finden eine Lösung. Wo liegen die Verbesserungspotentiale? Wo bremsen versteckte Probleme Ihre Teams aus? Konkurrenz und Rivalitäten binden viel Energie.

Gerade mittelständische Unternehmen sind darauf angewiesen, die wirklich guten Leute ins Boot zu holen und dort auch zu halten. Experten sind Ihr Kapital. Mit einer hohen Arbeitszufriedenheit und Motivation in der Belegschaft steigen Ihre Chancen, neue Talente an Bord zu holen und dort zu behalten.

Was ist Supervision? Versuch einer Definition I

Mit einer einzigen Definition werde ich nicht erschöpfend erklären können, was das ist: Supervision. Aber vielleicht mit mehreren? Hier ist schon mal eine:

Das ist Supervision: Beratung für alle, die sagen: Arbeiten, schön und gut, aber das muss doch besser gehen. Bitte setzen Sie bei „besser“ ein, wo sie der Schuh drückt: gesünder, produktiver, sinnvoller, freudvoller, zukunftsweisender, kreativer, kürzer, abwechslungsreicher, gewinnbringender, schlauer, energischer, begeisterter, erfolgreicher, reicher, erholter, verständlicher, spannender, ruhiger, hatte ich „leichter“ schon? Nein? Dann also auch: leichter …

Wer berät eigentlich die Kreativen?

Ich arbeite seit vielen Jahren mit Werbeagenturen aller Couleur zusammen. Von lediglich einer kann ich berichten, Sie hat sich tatsächlich beraten lassen. Nicht von den üblichen Agenturberatern, das sind normalerweise einfach branchenkundige Unternehmensberater. Sondern von einem Coach, der die Selbstreflexion der Führungsmannschaft anregte und anleitete. Das ist erstaunlich, wenn man die Werbebranche kennt und weiß, wie da so im Normalfall das Projektgeschäft ausgeübt wird.

In Agenturen überwiegt die Teamarbeit. Dabei treffen mindestens vier verschiedene Arbeitsrealitäten in jedem Team aufeinander: Kontakter, Gestalter, Texter und Betriebswirte. Es gibt noch andere Rollen, beispielsweise Reinzeichner, Bildredakteure, Werbelektoren oder Programmierer, die treten aber im Prozessgeschehen weniger bestimmend auf. Ich werfe ein kurzes Schlaglicht auf die genannten vier Agenturbewohner:

Der Kontakter ist ein Diplomat. Er kennt den Kunden und telefoniert mit ihm mehrmals täglich. Er ist oft der Einzige, der mit eigenen Ohren gehört hat, was der Kunde da draussen wünscht. Er holt Briefings ab, die er dann dem Projektteam weiterreicht und vorinterpretiert. Er ist der Anwalt der Kundeninteressen. Er ist auch der Anwalt der Agentur, ihrer Vorschläge und ihrer Preise. Ein widersprüchlicher Auftrag. Sein Ziel ist offenbar die Vermittlung: Ist der Kunde zufrieden, ist die Agentur zufrieden. Die Agentur? Nun jedenfalls der Schatzmeister der Agentur.

Der Schatzmeister hat häufig Betriebswirtschaft studiert. Oder er hat jedenfalls das betriebswirtschaftliche Interesse am Projekt im Auge. Beispielsweise weil er als Geschäftsführer angestellt ist, oder weil ihm die Agentur gehört. Er ist der Anwalt des Kontostandes. Die Zufriedenheit der Agentur und die Zufriedenheit des Kunden sind für ihn Mittel zum Zweck. Es sei denn der Schatzmeister ist auch noch der Künstler, dann wird es für ihn und die Agentur noch etwas komplizierter.

Die Künstler der Agentur interessieren sich für ein gutes Kommunikationsprodukt. Ein gutes Produkt ist in erster Linie ein kreatives, also eins, das der Künstler sich selbst ausgedacht hat. Der Kunde, der Diplomat, der Schatzmeister: Was verstehen die schon von Werbung und Design? Sie sind keine Kreativen und deshalb zum Schweigen verurteilt. Sie schweigen aber nicht. Der Künstler wird oft verkannt. Seine Entwürfe landen in der Schublade. Ästhetisch schwache Ideen setzen sich gegen starke durch. Dabei ist er der wahre Anwalt der Sache: Der Künstler arbeitet für eine schönere Welt der Werbung. Am liebsten vermutlich für eine mit großen Spiegeln.

Vor den Spiegeln steht der Künstler leider nie allein, immer drängt sich ein anderer Kreativer mit ins Bild: Der Texter. Er kann mit Worten umgehen. Was ihm den Arbeitsalltag schwer macht: Nur er kann es. Aber die anderen erkennen ihr Unvermögen im Normalfall nicht. Der Texter ist der Anwalt der deutschen Sprache, der klaren Botschaften und des Sachgehaltes der Werbung. Er will wirklich etwas kommunizieren. Lies: Nicht nur bunte Bilder verkaufen. Aber der Künstler sagt ihm: „Mach hier im Layout 600 Zeichen hin. Da fehlt noch eine Head, nein, eine etwas längere, das fliesst noch nicht so schön.“ Der Diplomat und der Schatzmeister wünschen sich nur, der Texter möge pünktlich liefern. Also in 30 Minuten. Der Texter ist der zweite Unverstandene, verurteilt zu ständiger Originalität, die nicht so weitherzig originell sein soll, dass sie nicht mehr zum Layout, zum Budget, zum beschränkten Kunden passt.

Ein kurzer Blick auf die der Prägnanz halber ziemlich holzgeschnitzten Kameraden genügt und es ist klar: Da ist erstmal kein Team zu sehen. Da ist jeder mit seiner Aufgabe, seinen Ansprüchen und Werten, mit seinen persönlichen Zielen bei der Arbeit allein. Ein verwirrendes Spektrum an Einzelinteressen und Einzelbegabungen. Und dabei kommt der Kunde im Bild noch nicht einmal explizit vor. Er ist aber die relevante Umwelt des Projektteams und von großer Bedeutung für die Dynamik der gemeinsamen Arbeit. Vor allem durch seine Art zu kommunizieren – im Erklären, Zustimmen, Ablehnen, Schweigen, Zahlen und Feilschen.

Mein Resümee lautet: Eigentlich müsste aus jedem gewonnenen Pitch eine Teamentwicklung folgen. Rollen gehören definiert, Prozesse bestimmt und Ziele festgeschrieben. Wer macht was? Wer macht wofür wie viel? Wann sind wir zufrieden? Wann ist es der Kunde? Die Teammitglieder kennen sich ja oft bereits aus anderen Projekten, aber wie sie zu dem neuen Projekt stehen, wissen sie voneinander deshalb noch nicht.
Warum nur ist das Format „Coaching“ oder „Supervision“ in der Werbebranche so wenig vertreten? Was denken Sie?

Miese Stimmung durch positives Denken

Sie beobachten es vielleicht in Ihrem eigenen Arbeitsumfeld auch. Es wird für immer mehr Menschen immer schwieriger, dem wachsenden Druck in der Arbeit und den Einladungen zur Selbstüberforderung in der Freizeit mit guter Laune standzuhalten. Supervisoren erleben ständig, was der entschlossene Wille, sämtlichen Ansprüchen an Selbstoptimierung unter allen Umständen zu genügen, aus Menschen macht: Burn-Out-Patienten, Depressive. Der Konsum an Psychopharmaka und leistungssteigernden Medikamenten nimmt zu, die Lebensfreude ab.

Das sieht auch der Arzt, Psychologe und Familientherapeut Arnold Retzer. Er hat eine „Streitschrift gegen positives Denken“ geschrieben, die sich diesem Thema scharfsinnig, kenntnisreich und auf amüsante Weise widmet. Das Buch heißt Miese Stimmung (2012, S. Fischer Verlag) und verspricht: „Thema dieses Buches wird es sein zu zeigen, wie die individuell erlebten und erlittenen Krisen von gesellschaftlichen Verhältnissen hervorgebracht, geformt und aufrechterhalten werden und dass unsere soziale und kulturelle Umwelt uns und unsere Vorstellungen von uns selbst meist stärker beeinflussen, als wir es uns selbst eingestehen wollen.“ (S. 12)

Nach fast dreihundert Seiten Analyse dieser gesellschaftlichen Verhältnisse kommt er zu dem Schluss: „Wenn wir nicht länger autistische Leistungs- und Erfolgsmaschinen oder biologieterrorisierte Haustiere sein wollen, besteht unsere Chance gerade darin, kaputtzugehen, das heißt, nicht mehr zu funktionieren […] Die gegenwärtig […] überlebenswichtige Aufgabe heißt: Erkenne, wer du nicht bist!“ (S. 294).

Das Buch ist natürlich polemisch geschrieben, aber dabei so faktenreich und erhellend, dass ich es auch denen empfehlen kann, deren Selbstoptimierungswille noch ungebrochen in jugendlicher Blüte steht.