Was ist Supervision? Versuch einer Definition II

Für meinen Beruf gefällt mir das Bild eines Bergführers, der seine Kunden auf einer Bergtour begleitet. Wer auf einen Berg steigt, gewinnt schließlich mehr Übersicht und trainiert seine Kräfte. Der Bergführer legt mit seinen Kunden zusammen den Weg, die Führe fest, die sie sich zutrauen. Er ist eine Mischung zwischen einem Experten für diese Landschaft und einem Freund auf Zeit. Er soll seinen Kunden Erfahrungen ermöglichen, die mit einem gewissen Risiko verbunden sind. Schließlich holt man sich nur einen Bergführer, wenn man eine Tour plant, vor der man allein zurückschrecken würde. Der Bergführer muss deshalb die Gefühlslage, vor allem die Angst, seiner Kunden im Auge haben und auch den Weg und seine Gefahren, resp. Schönheiten erkennen. Die Kunden vertrauen ihm, weil er die Sicherungsmittel professionell zu bedienen weiß und sich offenbar mit einschlägigen Gefahren auskennt. Der Kern ist: Er schafft die sicheren Rahmenbedingungen für eine neue, erwünschte, aber als riskant eingeschätzte Erfahrung.